Diesellokomotive D.L.00601

In den späten 1930er Jahren entwickelten die Berliner Maschinenbau AG vormals L. Schwarzkopf (BMAG) und Orenstein & Koppel (O&K) verschiedene Wehrmachtslokomotivtypen.

Parallel zu den zweiachsigen WR 200 B 14, zu denen auch unsere D.L.00601 gehört, wurde eine dreiachsige Variante (WR 360 C 14) entwickelt.

 

Die Typenbezeichnung setzte wie folgt zusammen:

WR Wehrmachtslokomotive für Regelspur
200 200 PS Leitung
B Achsfolge B (2 gekuppelte Achsen)
14 etwa 14 t Achslast

 

Radsätze, Federn und Achslager waren, zur Minimierung der Ersatzteilhaltung, bei beiden Typen identisch. Auch das Grundkozept von Rahmen, Aufbauten und Triebwerksteilen waren einheitlich gestaltet.

 

Die beiden Typen wurden nach dem 2. Weltkrieg bei beiden deutschen Bahnverwaltungen in den Fahrzeugpark aufgenommen. Die WR 200 B 14 wurden als V 20 und die WR 360 C 14 als V 36 eingereiht. Wie unsere D.L.00601 gelangten einige Lokomotiven auch zu Privatbahnen.

 

Der Orginalmotor von MAN hatte einen Druckluftanlasser. Die Lokomotiven waren für den Doppelbetrieb vorbereitet. Das Getriebe hat die Bauform Wandler/Kupplung/Kupplung. Der kleinste befahrbare Kurvenradius ist 80 m.

 

Unsere D.L. 00601 wurde 1941 von der BMAG für das Oberkommando des Heeres in Berlin gebaut, welches die Lok der Munitionsfabrik Munster-Lager Süd zuteilte. Vermutlich 1945 wurde die Lok von der OHE übernommen. Sie versah hauptsächlich den Rangierdienst in Celle Nord und übernahm kleinere Bedienfahrten, so dass die Lok auf eine durchschnittliche Laufleistung von rund 3.500 km pro Monat kam.

Am 15. Mai 1953 ging die Lok im Tausch gegen einen Triebwagen der Firma Christof + Unmack (der spätere GDT 0514) zur Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn (NME). Dort wurde die Lok am 15. Mai 1953 in Betrieb genommen. 1958 wurde sie umbenannt in ML00601, was vermutlich für MotorLokomotive stand.

 

1967 wurde ein neuer Motor von MAN eingebaut. Der neue Motor besaß einen Elektroanlasser, wodurch die Anlassluftflaschen entfernt und der Motorvorbau verkleinert werden konnten. Der Führerstand bekam größere Fenster, so konnte der Lokführer die gesamte Lok überblicken und es konnte auf den Beimann verzichtet werden.

Am 6. April 1992 konnten wir die Lok von der NME erwerben. Nach der Durchführung einer HU wurde die Lok am 13. Juli 1994 als 0601 in Betrieb genommen. Die Lok bespannte in der Regel die aus Donnerbüchsen gebildeten Züge von Winsen in die Heide. Bei der HU im Jahr 2003 bekam sie bei einem Neuanstrich auch ihre alte Betriebsnummer D.L.00601 zurück.

 

Technische Details

Lokomotive (Rahmen und Aufbauten)

Hersteller BMAG, Berlin   Fabriknummer 11399
Baujahr 1941   Typ WR 200 B 14
Länge über Puffer 7.600 mm   Dienstgewicht 26 t
Gesamtachsstand 3.200 mm   Achsdruck 13 t
Treibraddruchmesser 1.000 mm   Achsfolge B
Zugkraft Streckengang: 4,25 t   Turbogetriebe Voith L33y
  Rangiergang: 8,30 t   Kraftstoffvorrat 550 l
Höchstgeschwindigkeit Streckengang: 60 km/h   Sandvorrat ca. 120 kg
  Rangiergang: 30 km/h      
 
Nummer im nationalen Fahrzeugregister   98 80 3270 049-0 D-TEL
 
Motor
Hersteller MAN   Fabriknummer 303829M
Baujahr 1966   Typ W6V17,5/22A
Bauart 6 Zylinder 4-Takt   Leistung 200 PS
Kolbenhub 220 mm   Kolbendurchmesser 175 mm
Leerlaufdrehzahl 400 U/min   Höchstdrehzahl 1.000 U/min
Hubraum 6x 5,29 l = 31,75 l